Kunde sein

Wenn man manchmal sieht, was in den Geschäften so vor sich geht, bekommt man richtig Mitleid, mit den Verkäufern, die mit Engelsgeduld ertragen müssen, was die Kunden wieder einmal so alles gegen sie im Schilde führen. Da versteht man, wieso die Angestellten manchmal so schlechte Laune haben. Manche Kunden denken aber auch wirklich, sie könnten sich benehmen, wie die Axt im Walde und einfordern, was auch immer sich in ihrer Vorstellung befindet. Mit dem Argument, die Verkäufer würden ja schließlich dafür bezahlt, strapazieren sie nicht nur deren Nerven, sondern auch die der anderen Kunden, die sich noch im Laden befinden.

Schon im Schuhgeschäft findet man die besten Beispiele. Als hätten die Verkäufer den ganzen Tag nichts weiter zu tun, als hinter manchem Kunden herzuräumen, werden die probierten Schuhe und die dazu gehörigen Schachteln einfach mitten auf dem Boden zwischen den Regalen stehen gelassen. Der Kunde rauscht aus dem Geschäft, der nächste kann über diese Unordnung drüber klettern, bis eine Kraft aus dem Laden Zeit findet, einmal wieder Ordnung zu machen. Da heute überall wenig Personal ist, und die Kasse stets besetzt sein muss, kann dies manchmal dauern. Auch die wiederholte Frage, welches der Hochbetten aus dem Angebot nun reduziert werden könnte, und was man noch dazu geschenkt bekommen kann, kann sehr anstrengend sein. Man hat manchmal den Eindruck, manche Kunden würden am liebsten alles umsonst mit nach Hause nehmen.

An den Wühltischen oder während besonderer Verkaufsaktionen kommt der wahre Charakter eines jeden Kunden dann endgültig zum Vorschein. Ganz gleich, ob am Montag Morgen bei einem Supermarkt ein Rasentrimmer im Angebot ist, oder ein Laden einen Räumungsverkauf anberaumt hat: Es wird gedrängelt, geschubst, ja, manchmal sogar etwas aus einem anderen Einkaufswagen gemopst, weil es das letzte Stück im Sortiment war. Manchmal sind die Kunden so gereizt, dass wahre Zickenkriege entstehen. Es geschieht sogar, dass, wenn ein Laden, der ein besonderes Angebot aufweist, morgens seine Pforten öffnet, andere Menschen überrannt werden, nur um als erster bei dem Schnäppchen zu sein.

Toleranz gegenüber anderen Kunden ist auch so eine Sache. Die Mutter von vier Kindern packt eiligst ihre Einkäufe, die aufgrund der vielen hungrigen Mäuler durchaus eine stattliche Menge darstellen, auf das Band. Obwohl sie sich beeilt und ohnehin zwei andere Kunden vorgelassen hat, die weit weniger Waren bezahlen mussten, als sie selbst, wird hinter ihr geschimpft und gemeckert. Auch, wenn eine alte Dame an der Kasse nach Geld sucht, weil sie vielleicht nicht mehr besonders gut sieht, erntet sie böse Kommentare. Würde sich jeder ein wenig zusammen nehmen, kämen Kunden untereinander besser klar, aber auch die Verkäufer wären wieder ein Stückchen freundlicher, weil sie nicht so viele Nerven investieren müssten.