Plötzlich in Rente
Irgendwann ist es bei Jedem soweit. Die Rente steht bevor. Der letzte Arbeitstag bricht an und man geht mit gespaltenen Gefühlen zur Arbeit. Auf der einen Seite freut man sich, weil man den letzten Tag in Angriff nimmt, aber andererseits denkt man seit Tagen nach, wie das wohl werden wird. Plötzlich Rentner zu sein, damit kann nicht jeder einfach so umgehen. Viele fühlen sich auf einmal nicht mehr gebraucht, andere freuen sich auf den zweiten Frühling und haben schon viele Pläne. Doch bevor der letzte Feierabend kommt, hat man ja noch einen Arbeitstag. Den ganzen Tag über verabschiedet man sich von teils liebgewonnenen Handgriffen. Eine Kassiererin macht ihre letzte Durchsage, rechnet zum letzten Mal ihre Kasse ab. Zählt zum letzten Mal die vielen Geldscheine. Ob sie jemals wieder so einen Stapel Geld auf einmal in der Hand hält?
Das Schlimmste ist mit Abstand dann der Moment, in dem es heißt, Lebewohl zu sagen. Da kullern schon mal die Tränen. Die ersten Wochen werden sich sicher wie Urlaub anfühlen. Nach und nach stellt man dann fest, dass man ganz schön viel Zeit zur Verfügung hat. Frauen lieben es dann, ganz unkompliziert viele verschiedene Reisen unternehmen zu können. Nun muss man nicht mehr Urlaub beantragen. Je nach Lust und Laune wird gebucht oder einfach mal drauf los gefahren. Zeit für sich, alles einmal etwas langsamer anzugehen, hat man sich nach einem langen und oftmals harten Arbeitsleben verdient. Wer weiß denn schon, wie lange man seinen Ruhestand gesund und fit genießen kann. Das Leben ist oft sehr unberechenbar. Heute noch ganz fit und vital, kann das morgen schon ganz anders aussehen.
Enkelkinder sind neben den eigenen Kindern das Schönste auf der Welt. Zeit mit ihnen zu verbringen, macht einfach Spaß. Sie so heranwachsen zu sehen, ist nicht immer selbstverständlich. Rentner lieben auch ihren Garten. Endlich hat man Zeit sich um alles intensiv zu kümmern. Nicht wie früher alles nebenbei, sondern richtig. Da macht Gemüseanbau richtig Spaß, weil man sich mehrmals täglich sein Gemüse ansieht und staunt, wie schnell doch alles wächst. Spaziergänge im Wald, mit einem treuen Freund an der Seite, füllen so manchen Nachmittag. Jetzt erst hat man so richtig Zeit, sich um einen Hund zu kümmern. Was für den Hund wichtig ist, ist genauso wichtig für den Rentner, denn wer in Bewegung bleibt, bleibt zugleich länger fit. Nur, wer sich zu Hause einschließt und keine Freude mehr am Leben hat, der baut zusehends ab und wird depressiv. Dabei ist es doch das Sahnehäubchen des Lebens, seine Rente in vollen Zügen zu genießen und sich dabei selbst zu belohnen.
